Digitale Betreuung von Kindern

Angela Schmidt gründete 2012 die Notfallmamas. Das Unternehmen ist heute in zahlreichen deutschen Städten tätig. Bei ihr können seither berufstätige Eltern mit kranken Kindern innerhalb von nur zwei Stunden eine ausgebildete und kinderliebe Notfallbetreuung für Eltern buchen. Während des ersten Lockdown wurde ihr schnell klar, dass Eltern im Homeoffice jetzt eine ganz besondere Art der Unterstützung benötigen. Daher bieten die Notfallmamas jetzt auch eine Digitale Betreuung. Wie genau das funktioniert und für welche Altersgruppen diese Art der Betreuung geeignet ist, hat sie uns im Interview verraten.

 

 

 

  • Es schwirren drei Begriffe durch das Netz. Digitale Betreuung, virtuelle Betreuung und Online-Betreuung. Was ist der Unterschied?

Prinzipiell bezeichnen alles drei das Gleiche: eine Kinderbetreuung, die nicht vor Ort im Kinderzimmer oder in der Kita stattfindet, sondern per Videokonferenz. Bei den Notfallmamas live, mit echten Betreuungspersonen live. Keine vorgefertigten Videos, die immer abrufbar sind.

 

  • Noch mehr Zeit vor dem Bildschirm. Ist das gut?

Ohne die „elektronischen Babysitter“ könnten Eltern Homeoffice in Kombination mit Homeschooling und Kinderbetreuung nicht schaffen. Daher sind wir überzeugt, dass ein pädagogisch wertvolles Angebot besser ist, als beispielsweise noch einen Film zu schauen. Bei unseren Aktivitäten bewegen sich die Kinder und sind kreativ.

 

  • Ab welchem Alter ist eine solche Betreuung sinnvoll?

Nach unserer Erfahrung eignet sich diese Betreuungsform für Kinder ab 4 Jahren. Sie sind dann alt genug, einer Betreuung am Monitor zu folgen und auch mitzumachen. Und zwar so, dass die Eltern in der Zwischenzeit etwas anderes machen können. Sind die Kinder jünger, müssen die Eltern dabei sein. Eine Entlastung also nicht gegeben.

 

  • Haben Sie konkrete Beispiele für die verschiedenen Altersgruppen?

Für die 4-Jährigen bieten wir beispielsweise eine Kinder-Disco oder einen Besuch im Online-Zoo mit Vorlese-Stunde.

Die 5-jährigen können bei der LEGO-Challenge mitmachen oder „English for Kids“ mit Liedern und Spielen üben.

Für Grundschulkinder gibt es die Suche nach dem Geheimagenten X, der allein durch Erraten von Geräuschen gefunden werden muss oder es wird gebastelt, z.B. 3D Pop-up-Karten. Wir bieten aber auch eine virtuelle Weltreise.

 

  • Wie präsent müssen die Eltern sein?

Die Eltern sind hauptsächlich gefragt, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Tablet oder PC/Laptop bereithalten und den Link zum Video-Kinderzimmer anzuklicken, sowie Kamera und Mikrofon einschalten. Eventuell muss noch das ein oder andere Bastelmaterial bereitgestellt werden, aber danach sind die Kinder mit den Betreuungspersonen gut beschäftigt.

 

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  • Wie wird sichergestellt, dass von technischer Seite alles funktioniert?

Wir haben unsere Mitarbeitenden im vergangenen Jahr trainiert und zusätzlich ein Tutorial erstellt, in welchem auf die technischen Voraussetzungen eingegangen wird. Außerdem haben wir uns für ein Video-Tool entschieden, das sehr einfach zu bedienen ist und ohne Registrierung funktioniert.

 

  • Wie groß sind die Gruppen?

Maximal 5 Kinder. Sind es mehr, wird es für die Betreuungsperson schwierig, auf jedes Kind einzugehen. Bei der Hausaufgabenbetreuung reduzieren wir sogar auf maximal 3 Kinder.

 

  • Kommen die Kinder aus einer Gegend oder aus ganz Deutschland?

In den offenen Kursen treffen Kinder aus ganz Deutschland zusammen und wir beobachten schon „Cliquen-Bildung“. Einige Kinder verabreden sich zu bestimmten Programmen.

 

  • Wie lange dauert eine Betreuungseinheit?

Eine Stunde. Viel länger können Kinder sich nicht konzentrieren, bzw. strengen Videokonferenzen an. Das ist ja auch bei uns Erwachsenen so. Untersuchungen haben gezeigt, dass 5- bis 7-Jährige sich durchschnittlich 15 Minuten,  Kinder zwischen sieben und zehn Jahren sich durchschnittlich 20 Minuten, 10 bis 12-Jährige sich maximal bis zu 25 Minuten und 12- bis 14-Jährigen durchschnittlich 30 Minuten konzentrieren können.

 

  • Eine Stunde reicht aber für die meisten Eltern nicht aus. Wenn sie im Homeoffice konzentriert arbeiten wollen und müssen, müssen die Kinder länger beschäftigt werden.

 

Stimmt. Mit kleinen Kinder ist das ein Problem. Kinder ab 6 Jahren können aber durchaus auch länger online betreut werden. Die Eltern können dann beispielsweise zwei Angebote buchen. Allerdings rate ich dazu, zwischen den Angeboten eine Pause einzuplanen. Die Eltern können für ihre schulpflichtigen Kinder aber auch eine Hausaufgabenbetreuung buchen. Diese kann teilweise für zwei aufeinanderfogende Stunden gebucht werden und hat den charmanten Vorteil, dass sich alle nach getaner Arbeit den schönen Dingen des Lebens widmen können.

 

  • Wenn Eltern bzw. die Kinder sich für einen Bastelkurs entscheiden, schicken Sie dann die Materialien? Einkaufen ist im Augenblick durchaus schwierig.

Wir konzentrieren uns bei den Bastelangeboten auf Dinge, die die Meisten zuhause haben. Wenn etwas mal nicht vorhanden ist, wird improvisiert.

 

  • Bieten die Notfallmamas auch Unterstützung beim Homeschooling?

Homeschooling bieten wir für Grundschulkinder in Form einer Hausaufgabenbetreuung an. Da ist der Bedarf am Größten.

 

  • Was unterscheidet die Notfallmamas von anderen Anbieter*innen?

Wir sind ein kleines Unternehmen mit sehr engagierten Mitarbeitenden. Wir können daher sehr flexibel auf die individuellen Wünsche und Anforderungen unserer Auftraggeber*innen eingehen. Zum Beispiel  haben wir mit einem unserer Kunden eine exklusive Online-Ferienbetreuung entwickelt. Mit einem anderen probieren wir ein Angebot für 3-Jährige aus. Mehrere Eltern hatten in einer Kinder- und Eltern-Umfrage danach gefragt.

 

  • Wird es diese Angebote auch nach Corona noch geben?

Wir gehen davon aus, dass Eltern zukünftig vermehrt im Homeoffice arbeiten werden. Daher werden wir das Angebot fortführen. In welchem Umfang wissen wir aus heutiger Sicht aber noch nicht.

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