Krisen, Kriege und Konflikte: Wie wir unseren Kindern schwierige Situationen erklären

Krisen, Kriege und Konflikte:

Wie wir unseren Kindern schwierige Situationen erklären

Corona-Pandemie, Klimakrise, Krieg in der Ukraine — in der letzten Zeit mussten wir uns mit vielen schwierigen Situationen auseinandersetzen. Doch wie erklären wir unseren Kindern solche Geschehnisse? Wir haben ein paar Anregungen für Sie.

 

Krisen, Kriege und Konflikte

Leider sind Krisen und Konflikte allgegenwärtig in unserer Welt und durch die Globalisierung erfahren wir mittlerweile jeden Tag rund um die Uhr unmittelbar, was überall auf der Welt passiert. Dadurch fühlen sich viele Konflikte sehr viel näher und persönlicher an als beispielsweise noch vor 30 Jahren. In den letzten zwei Jahren haben sich die Konfliktsituationen bedauerlicherweise stark gehäuft und dadurch den Alltag vieler Menschen erheblich beeinflusst und verändert: Die Corona-Krise ist noch nicht vorbei, da werden wir bereits mit der Kriegssituation in der Ukraine konfrontiert, ganz zu schweigen von der allgegenwärtigen Klimakrise. Alles zusammen kann schon uns Erwachsene stark überfordern, doch wie geht man mit diesen Themen um, wenn man Kinder hat? Wie erklären wir ihnen, dass die Welt nicht immer in Ordnung ist?

Zunächst einmal: Kinder bekommen sehr viel mehr mit, als wir Erwachsenen denken. Auch sie werden durch die sozialen Medien und die Außenwelt mit Konflikten konfrontiert, sie sehen Bilder und Videos oder hören Gespräche mit an. Kinder nehmen außerdem instinktiv wahr, wie sich ihre Eltern fühlen, wenn sie besorgt oder angespannt sind, auch wenn sie nicht darüber reden. Und eben gerade, weil Kinder — auch sehr junge — schon sehr viel wahrnehmen, dürfen solche Krisensituationen nicht einfach ignoriert werden.

 

Der richtige Umgang mit schwierigen Themen

Kinder möchten von ihren Eltern beschützt werden und brauchen das Gefühl, dass diese sich um Probleme und Konflikte kümmern, damit ihre Welt wieder „heile“ ist. Natürlich sind Sie nicht Superman und können nicht einfach den Frieden herbeizaubern oder das Virus verschwinden lassen, das müssen Sie auch gar nicht. Instinktiv möchten Sie Ihr Kind verständlicherweise von jedem Übel der Welt fernhalten, doch Kinder müssen auch verstehen können, warum etwas so ist, wie es ist. Der erste und wichtigste Schritt in diese Richtung ist: Reden.

Kinder drücken ihre Gefühle je nach Alter auf ganz unterschiedliche Weise aus. Kleinere Kinder können ihre Gefühle noch nicht so gut in Worte fassen und tendieren eher zu körperbezogenen Ausdrucksformen, während ältere Kinder vielleicht schon eher konkrete Fragen zu bestimmten Situationen stellen. Doch egal, wie Ihr Kind seine Gefühle ausdrückt, auf jeden Fall sollten sie Gefühlsäußerungen und Fragen ernst nehmen und nicht herunterspielen oder ignorieren. Wie wir mit Kindern über schwierige Themen sprechen, hängt nicht nur von ihrem Alter, sondern auch von ihrem emotionalen und geistigen Entwicklungsstand ab. Doch Sie müssen sich kein mögliches Gesprächsszenario für jeden Fall überlegen oder seitenlange Erklärungen verfassen. Das Zauberwort heißt „reagieren“: Wenn Fragen gestellt werden, sollten sie beantwortet werden, aber keinesfalls sollten Sie Ihrem Kind Informationen ungefragt aufdrängen. Besonders bei unter Zehnjährigen sollte man beispielsweise nur über das Thema Krieg sprechen, wenn sie von sich aus danach fragen, und sie von ungefilterten Nachrichten fernhalten. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, wenn Sie merken, dass Redebedarf besteht. Wenn Sie gerade keine Zeit haben, dann machen Sie lieber einen anderen Zeitpunkt für das Gespräch aus, aber kommen Sie in jedem Fall darauf zurück, damit sich Ihr Kind nicht vernachlässigt oder abgewiesen fühlt.

 

Eltern dürfen ehrlich sein

Wenn Sie mit Ihrem Kind über die Klimakrise oder Krieg sprechen, sollten Sie nicht versuchen, das Thema „wegzureden“ oder zu verharmlosen, indem Sie zum Beispiel sagen: „Du musst keine Angst haben“, oder: „Alles ist in Ordnung“, denn das kommt einem Verbot von Gefühlen gleich und lässt keinerlei kommunikativen Spielraum zu. Seien Sie ehrlich und scheuen Sie sich nicht, auch Ihre eigenen Gefühle zu erklären und zuzulassen. Doch versuchen Sie, dabei weitgehend sachlich zu bleiben und nicht zu emotional zu reagieren, denn Kinder bekommen in diesem Fall schnell das Gefühl, sie seien dafür verantwortlich, dass es Ihnen wieder besser gehen müsse. Sie können beispielsweise sagen: „Ich verstehe, dass du Angst hast, mir geht es manchmal auch so.“ Dadurch lernen Kinder auch, dass Emotionen erlaubt sind und dass sie die Situation durchaus richtig einschätzen. Vermeiden Sie, wenn möglich, Vermutungen über Sachverhalte zu äußern, die Sie nicht wissen, und geben Sie ruhig zu, wenn Sie nicht sicher sind, wie Sie eine Frage beantworten sollen. Eltern sind keine Fachexperten und müssen nicht alles wissen. Sie können zum Beispiel sagen: „Das weiß ich gerade nicht genau, aber ich kann dir später darauf antworten“, und in der Zwischenzeit die nötigen Informationen nachschlagen.

 

Die richtige Wortwahl und kindgerechte Inhalte

Sie wissen nun, über schwierige Themen zu sprechen ist absolut in Ordnung und notwendig, doch wie genau macht man das eigentlich? Welche Wortwahl ist angebracht und wie ausführlich sollte ein Thema erklärt werden? Die Antwort ist einfach: Lassen Sie sich von Ihrem Kind leiten. Wenn Bedarf da ist, wird es von sich aus Fragen stellen, anhand derer sie erkennen können, wie stark das Interesse am Thema ist und auf welchem Niveau sich das Gespräch bewegt. Wenn Begrifflichkeiten unklar sind, versuchen Sie sie zu umschreiben und mit Ihren eigenen Worten zu erklären. Sie können dazu natürlich auch Hilfsmittel benutzen. Möchte Ihr Kind beispielsweise wissen, wo eigentlich Russland liegt oder wer dieser Putin ist, von dem im Moment alle reden, können Sie ein Bild zeigen oder auch etwas Passendes vorlesen. Wichtig ist nur, dass Sie keine zu langen Vorträge halten, um Ihr Kind nicht zu überfordern.

Für die Art und Weise der Kommunikation und vor allem den Umgang mit Medieninhalten lautet das Stichwort „kindgerechte Krisenkommunikation“. Auf keinen Fall sollten Sie Ihrem Kind Videos oder ungefilterte Nachrichten vorspielen, denn diese sind selbst für Erwachsene oft eine Herausforderung und schwer zu verstehen. Als Unterstützung bei schwierigen Themen können Sie stattdessen kindgerecht aufbereitete Nachrichten nutzen, die es zum Beispiel vom ZDF oder KiKA gibt — hier finden Sie ein Beispiel, wie das ZDF das Thema „Krieg in der Ukraine“ speziell für Kinder aufbereitet hat. Je nach Alter können auch Mal- und Bilderbücher oder Spiele sinnvoll sein, um Kindern ernste Themen etwas unbeschwerter zu erklären. Natürlich ist es allgemein ratsam, dass Sie den Medienkonsum Ihres Kindes im Blick behalten. Doch da Kinder heutzutage Computer und Handys in immer früherem Alter nutzen und sich die sogenannten „Fake News“ im Internet momentan im Hinblick auf die aktuelle Situation in der Ukraine häufen, ist es besonders wichtig, genau darauf zu achten, welche Medien Ihr Kind konsumiert und welche von diesen Inhalten auch wirklich verifiziert und seriös sind. Machen Sie Ihrem Kind außerdem klar, dass es nicht rund um die Uhr alles lesen, anschauen oder hören muss, es ist erlaubt und sogar notwendig, auch mal auszuschalten.

Parallel zu offenen Gesprächen und begleitetem Medienkonsum brauchen Kinder besonders in Krisenzeiten das Gefühl, dass ihr Alltag trotzdem weitgehend normal weiterfunktioniert. Sie brauchen Stabilität und das Gefühl, dass „alles in Ordnung ist“. Versuchen Sie deshalb, den Alltag so gut es geht zu strukturieren und die Dinge wie gewohnt weiterlaufen zu lassen, Termine einzuhalten und auch regelmäßig gemeinsame Aktivitäten einzuplanen, die Spaß machen, beispielsweise Ausflüge oder einen Spieleabend. Dadurch grenzen Sie Ihren eigenen Lebensraum vom Weltgeschehen ab und schaffen sich und Ihrem Kind einen sicheren Raum, der trotz der äußeren Probleme bestehen bleibt. 

 

Gemeinsam aktiv werden

Zu guter Letzt können Sie als Erwachsener natürlich auch selbst aktiv werden — und das sogar mit Ihrem Kind gemeinsam. Wenn Sie möchten, können Sie zusammen zu Demonstrationen gehen, Spenden sammeln oder selber spenden gehen, Kerzen anzünden und vieles mehr. Natürlich gibt es auch Kinder, die das Weltgeschehen weniger mitnimmt als andere. Das ist völlig in Ordnung und in einem solchen Fall sollte man ihnen keine Gefühle oder Informationen einreden. Hier gilt immer: Seien Sie aufmerksam, aber lassen Sie Ihrem Kind die Chance, selbst zu agieren. So können Sie am besten einschätzen, inwieweit sich Krisensituationen auswirken und wie Sie entsprechend reagieren können. In jedem Fall ist die Verarbeitung von Emotionen wichtig und ratsam, denn Krisen und Konflikte werden in irgendeiner Form immer wieder vorkommen. So lernen Kinder, mit den Geschehnissen und auch mit ihren Gefühlen umzugehen und keine Angst davor zu haben.

 

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Bei Fragen rund um die Themen „Umgang mit Konflikt- und Krisensituationen“, Erziehung und Pädagogik sowie Elternzeit und Elterngeld, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Wir beraten Sie gerne zu Ihrer individuellen Situation unter 089/8099027-00. Unsere Beratung steht allen Mitarbeitenden unserer Kooperationspartner zur Verfügung.

 

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